Detektorradio bauen



Das Detektorradio ist die einfachste Konstruktion eines RadioempfÀngers. Dieser EmpfÀnger braucht keine externe Energiequelle und bezieht seine Energie direkt aus den elektromagnetischen Wellen. Von den Anfangszeiten des Radios bis kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs waren diese EmpfÀnger sehr verbreitet.

Der Schaltplan eines Detektorradios ist recht einfach und besteht nur aus folgenden Komponenten: Antenne, Erdung, Spule, Drehkondensator, Diode und Kopfhörer.

Schaltplan eines DetektorempfÀngers.

Schaltplan eines DetektorempfÀngers. Quelle: www.wikipedia.de

Es hat mir schon lange in den Fingern gejuckt selbst einen DetektorempfÀnger zu bauen. Spontan habe ich mir vor einer Woche die passenden Bauteile bestellt und gestern waren sie da. Also habe ich mich gleich daran gemacht sie auf einem Steckboard zusammen zu stecken.

Im Folgenden werde ich meinen Aufbau erlÀutern.

Antenne

Eine gute Antenne ist das A und O bei einem Detektorradio. Je grĂ¶ĂŸer bzw. lĂ€nger sie ist, desto besser das Signal (die Chance irgendwas zu empfangen) und lauter die Radiosendung.
FĂŒr meine Konstruktion habe ich etwa 7 m Schaltlitze (muss nicht abisoliert werden) im Zimmer aufgehĂ€ngt.
Wer eine Dachantenne fĂŒr analoges Fernsehen hat, kann sie auch verwenden.

Erdung

FĂŒr eine Erdung muss der Draht mit dem Erde verbunden werden. Oft stellt ein Heizkörper (wie in meinem Fall) bzw. die Wasserleitung eine gute Möglichkeit der Erdung dar. Man muss nur sicherstellen, dass der Kontakt gut ist. Möglicherweise muss man eine Stelle frei kratzen.

Spule

Zuerst habe ich die Spule mit dem Kupferlackdraht gewickelt. Der Durchmesser des Drahts ist nur indirekt wichtig, denn je grĂ¶ĂŸer er ist, desto weniger Windungen pro LĂ€nge hat man (was fĂŒr die InduktivitĂ€t wichtig ist). Ich habe einen Draht mit 0,3 mm Durchmesser verwendet.

Als Spulenkörper habe ich eine leere Klopapierrolle (Durchmesser 4,5 cm) benutzt. Dazu habe ich sie gekĂŒrzt und auf jeder Seite lĂ€ngst zwei Schlitze eingeschnitten in die der Draht eingeklemmt wird, damit er stabil bleibt. Abschließend wurde die Wicklung mit einem Streifen Tesafilm befestigt. Insgesamt habe ich 40 Windungen auf 14 mm aufgewickelt, was in etwa einer InduktivitĂ€t von 228 ”H entspricht.

Spule fĂŒr das Detektorradio

Kondensator

Optimalerweise hat man einen Drehkondensator damit man eine die Empfangsfrequenz verĂ€ndern kann. Die KapazitĂ€t kann zwischen 10 und 500 pF variieren. Andere Werte sind natĂŒrlich je nach Zielsetzung und Spulenaufbau möglich.

Leider habe ich bei Conrad keinen Drehkondensator im Sortiment gefunden, deswegen habe ich nur zwei Keramikkondensatoren (270 pF und 22 pF) bestellt. Die Überlegung war die Frequenz durch das Auseinanderziehen der Spule zu verĂ€ndern.

Diode

Damit man das (amplitudenmoduliertes) Radiosignal demodulieren kann braucht man eine Diode. Weil das Signal in der Regel schwach ist, braucht man eine Diode mit einer niedrigen Schwellspannung, d.h. der Spannung ab der die Diode ĂŒberhaupt arbeitet. Dazu eignen sich am besten Germaniumdioden.

FĂŒr die Konstruktion habe ich drei Dioden ausprobiert. Ein mal zwei Germaniumdioden AA112 und 1N60. Dabei waren beide gleich gut bzw. man konnte keinen hörbaren Unterschied feststellen. Die dritte Diode war eine Schottky-Diode BAT43. Damit hat man ĂŒberhaupt nichts gehört, sprich sie ist fĂŒr einen DetektorempfĂ€nger ungeeignet.

Kopfhörer

Die Kopfhörer mĂŒssen einen hohen Widerstand haben. Moderne Kopfhörer, die man in Verbindung mit MP3-Playern oder Computern verwendet, sind nicht zu gebrauchen, weil sie einen zu niedrigen Widerstand haben. Es gibt zwar Möglichkeiten auch moderne Kopfhörer zu verwenden, aber dazu muss die Schaltung erweitert werden.

Zum GlĂŒck gab es bei Conrad einen Ohrhörer, der als hochohmig ausgezeichnet wurde, also habe ich ihn mir bestellt und am Ende hat er auch funktioniert. Welches Bauteil im GehĂ€use sitzt kann ich nicht sagen.

Aufbau

Alle Komponente habe ich auf einem Steckboard zusammen gesteckt, wie man auf den nachfolgenden Fotos sieht.

Aufbau des DetektorempfÀngers

Aufbau des DetektorempfĂ€ngers in vergrĂ¶ĂŸerter Ansicht.

Radiofrequenz

Die Radiofrequenz, die man empfÀngt, hÀngt von der Frequenz des Schwingkreises ab. In diesem Fall besteht der Schwingkreis aus der Spule und dem Kondensator. Somit berechnet sich die Frequenz wie folgt:

f = \frac{1}{2\pi \sqrt{LC}}

Dabei ist L die InduktivitĂ€t der Spule und C die KapazitĂ€t des Kondensators. Will man also einen bestimmten Radiosender empfangen, so muss man die Spule und den Kondensator so wĂ€hlen, damit die gewĂŒnschte Radiofrequenz möglich ist. Die Frequenzen der Radiosender kann man zum Beispiel bei Wikipedia finden.

Bei meiner Konstruktion hat der Kondensator eine KapazitÀt von 270 pF und die Spule eine InduktivitÀt von 228 ”H, was einer Frequenz von 640 kHz entspricht.

Um andere Frequenzen auszuwÀhlen muss man die KapazitÀt oder die Spule Àndern.
Ich habe in meiner Schulzeit ein Programm geschrieben, welches die Frequenz eines Schwingkreises berechnet. Damit kann man abschÀtzen welche Frequenzen mit dem eigenen Aufbau empfangen werden können.

Test

Nach dem die Antenne und die Erdung angeschlossen war, konnte ich sofort irgendeine auslÀndische Radiosendung empfangen. Durch verformen der Spule hörte man dann auch andere Sender, meistens mehrere gleichzeitig.

Hier ein Tonbeispiel aufgenommen mit einem Handy:

Nachts konnte ich mit der Dachantenne viele andere Sendungen empfangen, vor allem nach dem ich noch eine andere, auf einem Stift gewickelte Spule (50 Windungen, 1cm Durchmesser) verwendet und den Kondensator entfernt habe.
GrundsÀtzlich sollte etwas damit experimentieren und verschiedene Antennen und Spulen ausprobieren.

Am meisten hat mich folgende Schaltung fasziniert: Antenne, Diode, Ohrhörer und die Erdung in einer Reihe geschaltet (keine Spule und kein Kondensator!). Das Ergebnis kann man sich hier anhören:

Die QualitĂ€t ist natĂŒrlich alles andere als gut, aber mehr habe ich bei so einem einfachen Aufbau auch nicht erwartet. Vielleicht kann man da noch etwas mit einem Drehkondensator herausholen.
Trotzdem hat es mir viel Spaß gemacht damit zu experimentieren und fremden Sprachen zu lauschen =)




16 Kommentare zu “Detektorradio bauen”

  1. Magdalenaam 10. Juni 2012 um 20:29 Uhr

    Nicht schlecht! :-)
    Auch wenn ich ja noch auf die Bilder des “TU meet & move” warte. ;-)
    Oder ist das ins Wasser gefallen?

  2. Maximam 10. Juni 2012 um 21:50 Uhr

    Hallo Magdalena!
    Danke!
    Zu „TU meet & move“: Ich habe mich um eine Woche vertan. Die Veranstaltung ist erst diese Woche ^^

  3. Jörgam 1. Juli 2012 um 10:34 Uhr

    Ja in meiner jugend habe ich auch solche empfĂ€nger gebastelt.. hat echt spass gemacht und ich habe viel gelernt…

  4. dergamekanam 5. Juli 2012 um 20:27 Uhr

    ganz gut aber ich hab in gabaut und kommt nix
    wiso kommt bei mir nix

  5. Maximam 5. Juli 2012 um 21:03 Uhr

    Da ich nicht weiß, wie du es aufgebaut hast, welche Elemente du verwendet hast, welche Antenne etc., kann ich dir nicht weiter helfen. Du musst schon genauer werden. Du musst auch bedenken, dass der Ton sehr leise ist. Man braucht wirklich eine große Antenne, sonst wird es nichts.

    PS: wenn du keine website hast, dann kannst du das feld leer lassen, so ersparst du mir unnötige arbeit.

  6. Peteam 26. April 2013 um 14:16 Uhr

    Hallo Maxim,

    ein nettes kleines Projekt!

    Zur Funkstille mit der Schottky-Diode möchte ich einen Tipp geben. Auf meinen Baukastenseiten habe ich ein paar Punkte zusammengestellt, was beim Ersatz einer Ge- durch eine Schottky-Diode schief gehen kann. Wenn du dort den Punkt 2 beachtest, sollte dein Aufbau auch mit der BAT43 Töne fabrizieren. ;-)

  7. Maximam 26. April 2013 um 14:29 Uhr

    Hallo,
    danke fĂŒr den Tipp.
    Wenn mich mal wieder der Basteltrieb ruft, werde ich versuchen ein Transistorradio zu basteln. Bei den Versuchen mit dem Detektorradio hatte ich zwischen dem Tonausgang noch eine Emitterschaltung mit BC547 eingebaut und der Ton war viel lauter. :)

  8. Gerhard Niewöhneram 10. Mai 2014 um 20:33 Uhr

    Eine Schottky-Diode funktioniert nur deshalb nicht, weil sie in Sperrrichtung wesentlich hochohmiger ist als eine Germaniumdiode (zB. AA119 o.Ă€.), denn ich erkenne auf dem Bild einen Kristall-Ohrhörer, der unbedingt eine Wechselspannung braucht. Wenn man eine Schottky-Diode verwendet (zB. Bat41, 42) sollte parallel zum Ohrhörer ein Widerstand geschaltet werden, je nachdem zwischen 220 Ohm und 22 Kiloohm, damit sich der Orhörer mit seiner internen KapazitĂ€t wieder entladen kann. Die Ergebnisse dĂŒrften bei einer Schottky sogar etwas besser sein….

  9. Maximam 11. Mai 2014 um 06:52 Uhr

    Hallo Gerhard,
    vielen Dank fĂŒr den Tipp. Irgendwann werde ich mich wieder mit dem Thema auseinandersetzen und deinen Vorschlag ausprobieren.

  10. Ikemam 26. Oktober 2014 um 17:35 Uhr

    Zu dem vereinfachtem Aufbau hab ich ein Diagramm gemacht:

    http://imgur.com/VMbMscu

  11. Olafam 11. Mai 2016 um 09:17 Uhr

    Hallo,
    ich hatte vor langer Zeit auch mein erstes Dektorradio gebastelt.
    Mit einer Diode AO 625:
    http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.radiomuseum.org%2Fimages%2Ftubephoto_klein%2Fwf_oa625.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.radiomuseum.org%2Ftubes%2Ftube_oa625.html&h=405&w=150&tbnid=LkOTzE-Y0eci8M%3A&docid=cKQqJJ6p2EYdbM&ei=B9wyV66eM47mgAalqLG4BQ&tbm=isch&client=firefox-b&iact=rc&uact=3&dur=965&page=1&start=0&ndsp=26&ved=0ahUKEwjuvZrvvNHMAhUOM8AKHSVUDFcQMwgmKAUwBQ&bih=827&biw=1280
    einem umwickelten Ferritstab einem alten hochohmigen
    Kopfhörer:
    http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.welt-der-alten-radios.de/files/eh419.jpg&imgrefurl=http://www.welt-der-alten-radios.de/detektor-hphones-202.html&h=250&w=373&tbnid=usx8Cz1mCv_wXM:&tbnh=90&tbnw=134&docid=PmAJtqHJJP2z4M&client=firefox-b&usg=__ipTrRvpUsmY-OikerfMr0i8Fwvg=&sa=X&ved=0ahUKEwjD1Ob2utHMAhWGLMAKHXl8DxQQ9QEIJzAB
    und Drehkondensator:
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/87/Frontplattenquetscher1.png/220px-Frontplattenquetscher1.png

    nach etwas Suche (Drehko) hörte ich und ist es noch im GedÀchtnis, als wenn es erst vorhin war: https://www.youtube.com/watch?v=W6N3o4TDYsI

    Das war ein tolles Erlebnis!
    VG Olaf

  12. Harald Richteram 8. September 2016 um 01:19 Uhr

    Hallo maxim,

    Kannst du mir noch etwas genaueres ĂŒber die emitterschaltung sagen. Ich habe eien solchen transistor , muss ich WiderstĂ€nde einbauen, welche und welche spannung anlegen?
    Etc?
    Danke

  13. Maximam 1. Mai 2017 um 15:51 Uhr

    Hallo Harald,

    leider wurden in Deutschland alle großen Mittelwelle-Sender abgeschaltet. In vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern sieht es Ă€hnlich aus. Es ist fraglich, ob man mit dieser Schaltung noch etwas empfangen kann.

    Du kannst versuchen gleich ein einfaches Ein-Transistorradio zu bauen. Zum Beispiel ohne jeglichen Abstimmungskreis: http://www.elexs.de/bastel14.htm. Der Lautsprecher wird zwischen „Line in“ und „GND“ angeschlossen.

    Allgemein kann ich fĂŒr Radiobastelei diese Übersicht empfehlen:
    http://www.elektronik-labor.de/Lernpakete/Lernpakete.html#mw

  14. Erhardam 8. Juni 2017 um 20:56 Uhr

    Hallo Maxim,

    wie kommst Du bei Deiner sehr kurzen Zylinderspule auf 228 miH?

    mfG

    Erhard

  15. Maximam 10. Juli 2017 um 22:17 Uhr

    Hallo Erhard,
    das ist eine sehr grobe AbschĂ€tzung fĂŒr eine lange Spule.
    http://www.wolframalpha.com/input/?i=(magnetic+constant+*+40%5E2+Pi+(45%2F2+mm)%5E2)%2F+(14+mm)

    Wie Du bemerkt hast, muss man fĂŒr eine kurze Spule Korrekturfaktoren einfĂŒgen. Der glaubhaftere Wert wĂŒrde bei 90-100 ”H liegen.
    http://www.wolframalpha.com/input/?i=(magnetic+constant+*+40%5E2+Pi+(45%2F2+mm)%5E2)%2F+(14+mm+%2B+0.9*(45%2F2+mm))

    VG
    Maxim

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